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Eine Reise um die Welt

22. August 2020 @ 19:30 - 21:30

kostenlos

Auf Eine Reise um die Welt begibt sich das Kammermusikensemble Laubenheim KAMEL in seinem Sommerprogramm 2020. Dabei stehen bekannte und weniger bekannte Werke von Komponisten nahezu aller Kontinente auf dem Programm und laden jeden Zuhörer – vom Musikkenner bis zum enthusiastischen Laien – auf eine Entdeckungsreise ein, die für jeden etwas parat hat. Die Suche nach einer „klassischen“ Identität in der Kunstmusik und deren Lösungsversuche durch Vertreter der japanischen, australischen und amerikanischen Kultur stehen dabei der nach Neuerung forschenden alt-traditionellen europäischen „klassischen“ Musik gegenüber.

Den Auftakt bildet Yasushi Akutagawa (1925-1989) mit seinem Tryptique für Streichorchester. Der japanische Komponist bedient sich bei seinem ausdrucksstarken Werk der Betitelung aus der Malerei, genauer bei der Darstellung dreigeteilter Gemäldetafeln zum Aufklappen, wie man sie häufig in christlichen Kirchen als Altarbilder findet. Ebenso dreigeteilt ist auch sein Werk: Zwei rasante, rhythmische Ecksätze rahmen ein lyrisch-elegisches Klangkunstwerk im Mittelsatz voller Süße und Melancholie ein. Yasushi Akutagawa studierte Komposition an der Tokioter Musikschule und immigrierte 1954 illegal in die Sowjetunion. Dort unterhielt er innige Freundschaften mit Dmitri Schostakowitsch, Dmitri Kabalewski und Aram Chatschaturjan und wurde der einzige japanische Komponist, der in der Sowjetunion aufgeführt werden durfte. Seine Musik ist geprägt vom Neoklassizismus und von Einflüssen von Schostakowitsch, Strawinski, Prokofiew oder Ifukube.

Einen konträren Stil bietet das sich anschließende Konzert für Klarinette, Streicher, Klavier und Harfe des US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900-1990). Der Sohn litauischer Einwanderer gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Moderne und fand in Leonard Bernstein einen prominenten Verehrer und Förderer. Nach seinem Studium am Konservatorium im französischen Fontainebleau entwickelte er mithilfe der Einflüsse von amerikanischem Jazz, Folklore, Cowboy- und Westernsongs einen verständlichen, rhythmisch geprägten tonalen Kompositionsstil, der klassische Formen wie Märsche und Tänze mit zeitgenössischen Einflüssen und der Jazz- und Popularmusik verbindet. Sein Klarinettenkonzert entstand 1947-1949 für den Jazzklarinettisten Benny Goodman. Es steht ganz im Stile Coplands Bemühungen, der amerikanischen Musik durch die Verschmelzung traditioneller „europäischer“ Formen und amerikanischer (Jazz-) Einflüsse eine eigene Identität zu verleihen. So finden sich auch in diesem Konzert zahlreiche Jazzelemente wie „smear“ (ausgedehnte Glissandi) oder „geschlagene“ Basstöne als Simulation einer Jazzpercussion. Das zweisätzige Konzert ist durch eine Solokadenz attacca miteinander verbunden. Der erste Satz, in A-B-A-Form gesetzt, hinterlässt langsam, expressiv und voll bittersüßer Lyrik ein Gefühl von Einsamkeit. Die Kadenz ist virtuos und gespickt von lateinamerikanischen Jazzelementen, denn Copland lebte und wirkte zur Zeit der Entstehung des Klarinettenkonzertes in Rio de Janeiro und ließ diese täglichen Eindrücke auf sich wirken. Der zweite Satz stellt ein freies Rondo dar. In ihm war Copland um eine Fusion von nord- und südamerikanischer Popularmusik bemüht. Solist zusammen mit dem KAMEL ist der bulgarisch-deutsche Klarinettist Ivan Petrov.

Sicherlich für jedermann eine Neuentdeckung ist die Swagman‘s Promenade des australischen Komponisten Michael Hurst (*1925). Der in London geborene und aufgewachsene Sohn australischer Eltern studierte in London und weiteren europäischen Stationen zuerst Operngesang, eher er 1964 nach Australien zog und dort als Arrangeur und PR-Manager Karriere machte. Swagman‘s Promenade ist sein berühmtestes Werk. Für die ersten Proms in Sydney 1965 schrieb Hurst ein Medley bestehend aus australischen Volksliedern und Melodien ganz im Stile des Neoklassizismus oder der Neoromantik.

Den Abschluss bildet das bestimmt bekannteste Werk des Konzertprogramms: Aus Holbergs Zeit – Suite im alten Stil op. 40 des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843-1907). Dieser unterhielt nach seinem Studium in Leipzig intensive Freundschaften mit Piotr Tschaikowski und Johannes Brahms, welche sein Schaffen ebenso beeinflussten wie die norwegische Volksmusik und ihre Stilistik aus leeren Quinten, scharf betonten Tanzrhythmen und dem Wechsel aus modalen Tonarten in reines Dur. Die im Umgangston auch sogenannte Holberg-Suite entstand 1884 anlässlich eines Festaktes des 200. Geburtstages des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg. Dazu verwendete Grieg traditionelle höfische Tänze des 16. Jahrhunderts, eben „Aus Holbergs Zeit“, im neoklassizistischen Stil, oder besser gesagt: Er wendete seinen romantischen Blick auf die Musik des 16. Jahrhunderts. So entstand die beliebteste seiner Suiten neben der beiden Peer-Gynt-Suiten mit den fünf Sätzen: Präludium, Sarabande, Gavotte, Air und Rigaudon.

Details

Datum:
22. August 2020
Zeit:
19:30 - 21:30
Eintritt:
kostenlos
Veranstaltungskategorie:
Website:
https://kammermusikensemble-laubenheim.de/eine-reise-um-die-welt/

Veranstalter

Kammermusikensemble Laubenheim
Telefon:
015115858374
E-Mail:
info@kammermusikensemble-laubenheim.de
Website:
www.kammermusikensemble-laubenheim.de

Veranstaltungsort

kath. Pfarrzentrum Mainz-Laubenheim
Möhnstr. 18
Mainz, Rheinland-Pfalz 55130 Deutschland
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