Die letzten Dinge

Die letzten Dinge

Kooperationsprojekt mit der 'Cäcilia 1936' im November 2017

 

18.11.2017, 19:00 Uhr – St. Ignaz, Mainz (Kapuzinerstraße 36, 55116 Mainz)

25.11.2017, 19:30 Uhr – St. Stephan Mainz-Gonsenheim (Kirchstr. 1, 55124 Mainz)

26.11.2017, 17:00 Uhr – katholische Kirche Mariae Heimsuchung, Mainz-Laubenheim (Pfarrer-Goedecker-Str. 27, 55130 Mainz)

 


 

Im vierten Jahr in Folge gestaltet das Kammermusikensemble Laubenheim nun erneut in Zusammenarbeit mit dem Chor “Cäcilia 1936” der katholischen Kirche Mainz-Laubenheim unter der Leitung von Tobias Keil (selbst KAMELer) die traditionellen Jahreskonzerte zu Christkönig.

Auf dem Programm steht in diesem Jahr Louis Spohrs Oratorium “Die letzten Dinge” in einer Bearbeitung des KAMELers Johannes Christ für Kammerorchester (Streicher, zwei Trompeten, zwei Oboen und Pauke)


 

 

Die Solisten
Sophie Heitzmann (Sopran)

Sophie Heitzmann, geboren 1998 in Mainz, erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Geigenunterricht bei Christine Feldner, später bei Phillipp Gadd im PCK Mainz. Zusätzlich begann sie im Alter von sieben Jahren Klavier zu spielen. Verschiedene Lehrer- und Stilwechsel (ein Jahr lang war sie Schülerin des Jazzklavierlehres Herr Bock im PCK), führten sie zu ihrer jetzigen Lehrerin Claudia Meinardus-Brehm ebenfalls im PCK, die sie für ein Studium des Fachs Musik auf Lehramt vorbereitet. Neben der C-Ausbildung für Chorleitung am Kirchenmusikalischen Institut in Mainz erhält sie seit drei Jahren Gesangsunterricht bei ihrer Mutter Beate Heitzmann. Außerdem sang sie solistisch im Schulprojekt „Ocean World“ im Staatstheater und verkörperte sanglich und schauspielerisch die Liebesgöttin Venus in der englischen Barockoper „Venus und Adonis“ von John Blow. Des Weiteren ist sie Mitglied des Kammerchors Rheinhessen unter der Leitung von Stefan Weiler und des Binger Frauenchors „Clara Voce“ unter Leitung des Regionalkantors Alexander Müller.

Miriam Leuther (Alt)

Miriam Leuther nahm erstmals 2014 Gesangsunterricht bei Silke Mertens in der Ballett- und Bühnenschule Stützer in Koblenz, wo sie bis 2016 blieb. Anschließend begann sie im Wintersemester 2016/2017 begleitend zu ihrem Studium der Theater- und Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine Chorsängerausbildung im Rahmen der Chorakademie des Collegium Musicum, in der sie bis heute Gehörbildungs-, Musiktheorie- und Gesangsunterricht erhält. Außerdem singt sie im UniChor Mainz, im Gutenberg-Kammerchor und seit 2015 im Landesjugendchor Rheinland-Pfalz. Weitere Chorerfahrung sammelte sie im Extra-Chor des Theater Koblenz in den Produktionen „Fidelio“, „L’Elisir d’amore“ und „Die Herzogin von Chicago“.

Julian Mörth (Tenor)

Julian Mörth wurde 1990 in Rotterdam geboren und wuchs in Mainz auf, wo er im Alter von acht Jahren seinen ersten Klavierunterricht erhielt. Von 2004-2009 war er Schüler am Peter- Cornelius- Konservatorium in Mainz in den Fächern Klavier, Klarinette, Gesang und Komposition. 2010 begann er sein Bachelor Klavier Studium an der Johannes- Gutenberg- Universität Mainz bei Prof. Karin Germer und Prof. Andrzej Pikul, das er 2014 abschloss. Er absolvierte außerdem mehrere Meisterkurse in Südfrankreich bei Janine Laroche und Prof. Jacques Rouvier, sowie in Polen und Spanien bei Prof. Andrzej Pikul. Julian Mörth komponiert seit seinem neunten Lebensjahr. Neben einigen Werken für Klavier, verschiedene Kammermusikbesetzungen und Orchester komponiert er viel für Chor, angeregt durch seine fünfjährige Mitgliedschaft im Mainzer Domchor. Sein Werk umfasst mittlerweile annähernd 100 Stücke. Julian Mörth wurde für seine Werke mehrfach bei verschiedenen Kompositionswettbewerben ausgezeichnet, darunter beim International Orange Chorale of San Francisco Composition Competition und beim International Carol Composition Contest des Brazos Valley Chorale in Texas. Es folgten weitere Wettbewerbssiege in Amerika, Kroatien und Deutschland, sowie Aufführungen seiner Werke u. a. in den USA, Mexico und England. Seit 2015 studiert Julian Mörth in Mainz Informatik.

Fabian Kobler (Bass)

Neben den Streichern waren in diesem Projekt wieder Instrumentalisten anderer Register zu hören. Mit dabei waren diesmal:

Violinen: Johanna Christmann, Dennis Frick, Melanie Ickert, Nora Khayata, Hye Min Lee, Sebastian Mies (KM), Arif Emre Özkan, Martha Schmitt, Hannah Teufel

Viola: Leonard Fuchs, Alena Gschwandtner, Mariella Rinke

Violoncello: Florian Alber, Álvaro Camelo, Louisa Stürer

Kontrabass: Manuel Christ

Trompete: Johannes Weiler (Bild), Johann Prinz

Oboen: Johannes Christ, Maike Hermanns

Pauke: Dennis Heinzen

Gesamtleitung: Tobias Keil


 

Die Konzerte

Mit drei Konzerten vor vollen Kirchen, in Laubenheim bis auf den letzten Stehplatz auf der Empore gefüllt, blickt der Kirchenchor “Cäcilia 1936” und das Kammermusikensemble Laubenheim auf ein sehr erfolgreiches Projekt zurück.

Der Dank gebührt allen, die diese Kooperation Jahr für Jahr möglich machen. Diese wird in den nächsten Jahren fortgeführt.

 


 


Im Folgenden finden Sie alle Details zum Komponisten, zum Werk und zur Bearbeitung für das Kammermusikensemble Laubenheim

Zum Komponisten Louis Spohr Louis

Spohr wurde 1784 in Braunschweig als ältestes Kind einer wohlhabenden Medizinerfamilie geboren. Als Dirigent, Pädagoge, Organisator von Musikfesten, vor allem aber als Komponist und Violinvirtuose erarbeitete er sich einen internationalen Ruf und galt neben seinem weltberühmten Zeitgenossen Niccolò Paganini als größter Geiger seiner Zeit. Auch kompositorisch war Spohr schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit und galt in der Zeit nach dem Tode Beethovens und dem Durchbruch namhafter Größen wie Schubert, Schumann oder Mendelssohn-Bartholdy als der bedeutendste deutsche Komponist in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Schon früh zeigte sich beim jungen Louis Spohr seine musikalische Begabung und da er einem bildungsreichen Haushalt entsprang, wurde diese auch rege gefördert. Mit zwölf Jahren wurde er schließlich nach Braunschweig auf ein Musikinternat geschickt und entwickelte dort seine herausragenden Fähigkeiten auf der Violine. Kompositorisch erhielt er nur rudimentäre Einweisungen in Harmonielehre und Kontrapunkt und so erlernte er alles auf diesem Gebiet autodidaktisch durch Talent und eigenen Fleiß. Mit 15 Jahren ernannte ihn Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig zum Kammermusiker und verschaffte ihm ein Stipendium beim damals berühmten Geiger Franz Eck, der den hochbegabten Jugendlichen auf erste Auslandstourneen mitnahm und damit den Grundstein zum internationalen Durchbruch legte. Es folgten große solistische Auftritte in den größten Hallen Europas der damaligen Zeit, wie z.B. dem Leipziger Gewandhaus, internationale Konzertreisen nach Russland, England, Frankreich, etc., Treffen mit den musikalischen Größen seiner Zeit wie Beethoven oder Paganini und erste Anstellungen, z.B. als Konzertmeister in Gotha, am Theater an der Wien, am Theater in Frankfurt am Main. Hier übertrug man Spohr 1817 Leitung des Orchesters der Frankfurter Museumsgesellschaft, bevor er 1821 auf Veranlassung von Carl Maria von Weber zum Hofkapellmeister am Fürstenhof Kassel berufen wurde, wo er zeitlebens blieb. In dieser Funktion prägte er das Musikgeschehen Kassels und weltweit nachhaltig. So entwickelte er eine Violinschule, die noch heute zum Standardlehrwerk zählt, dirigierte erstmals mit einem Taktstock zur höheren Präzision – dieses Verfahren hat sich bis heute in der Konzertpraxisfundamental durchgesetzt –, brachte das Kasseler Orchester auf ein Niveau von vorher nie erreichter Höhe und zu Weltruhm und gründete – wie damals Mode – mit dem Cäcilienverein und der Singakademie zwei Laienchöre zur Aufführung großer Chorwerke.

Zum Werk „Die letzten Dinge“

Diesen Voraussetzungen in Kassel entspringt auch das 1825/26 komponierte Oratorium „Die letzten Dinge“ WoO 61. Es ist das zweite von vier Oratorien Spohrs. Das deutsche geistliche Oratorium steckte Ende des 18. Jahrhunderts in einer tiefen Sinn- und Legitimationskrise. In den Jahrhunderten zuvor als gesungene Predigt im Gotteshaus als liturgischem Ort der Aufführung beheimatet, verlor sich diese Stellung mit dem Aufkommen der Aufklärung als Gegenpol zur unkritischen Glaubenshaltung und dem Erstarken des Bürgertums, welches nach der französischen Revolution mehr und mehr das kulturelle Geschehen für sich beanspruchte und somit Klerus und Adel zunehmend den Einfluss und das Monopol auf kulturelle Aufführungen entzog. So galten lange Zeit die Oratorien von Joseph Haydn („Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“) als Höhepunkt und Endpunkt der Entwicklung dieser Gattung. Doch bot diese bürgerliche Entwicklung auch Chancen, auf Basis der Haydn’schen Werke neue Wege zu gehen, und so vollzog sich in der Oratorienkultur des 19. Jahrhunderts eine Trendwende, eine „Entkirchlichung“ der Gattung Oratorium vom „Kirchenstil“ als frommes Begleitprogramm zum liturgischen Gottesdienst, hin zum „Oratorienstil“, welcher eher der Idee einer Musik folgt, „die religiös ist, ohne liturgisch zu sein“ (Carl Dahlhaus – „Zur Problematik der musikalischen Gattungen im 19. Jahrhundert“). Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die oben benannte Verschiebung des kulturellen Geschehens von Hof und Kirche ins Bürgertum. Aufführungen als öffentliche konzertante Veranstaltungen, Chorvereinigungen zur Pflege großer (geistlicher) Werke und die Entstehung von unzähligen regionalen Musikfesten verlangten neben alten Großmeistern wie Händel, Bach und Haydn nun verstärkt neues, den Rahmenbedingungen angepasstes Material. So wollte man als Ausdruck des gesteigerten bürgerlichen Repräsentationswillen eine hohe Identifikation der Zuhörer und (Laien-)Chorsänger erzeugen. Dazu sollten mehr eingängige, mitreißende Chorsätze und weniger solistisch komplizierte Arien führen. Jeder Komponist dieser Zeit strebte danach, seine Werke auf solchen Festivals spielen zu dürfen, da so eine große Menge Menschen erreicht werden konnte. So hielt es auch Louis Spohr. Nachdem sein erstes Oratorium „Das Jüngste Gericht“ 1812 als „zu verkopft“ gefloppt war, brauchte er 13 Jahre um sich erneut an die Komposition eines Oratoriums zu trauen. Dazu wandte sich der Dramatiker und Musikschriftsteller Friedrich Rochlitz an Spohr und bot ihm einen Text für ein Oratorium an, der anders war als die Oratorientexte zuvor. So dichtete Rochlitz nicht einen Text auf Basis der Bibel, wie zu der Zeit üblich, sondern stellte ihn „bloß aus den erhabensten und passendsten Stellen der heiligen Schrift“ (Friedrich Rochlitz, 1825) zusammen. Rochlitz sah ausschließlich Spohr dazu in der Lage, ein entsprechendes Werk über diesen Text zu schreiben, konnte den Kasseler Hofkapellmeister schließlich auch dazu überzeugen und nahm später auch in regem Austausch mit detaillierten Vorstellungen zur Komposition nachhaltig Einfluss auf das Werk. Spohr hingegen beschritt mit der Art der Komposition neue Wege. Er verzichtete auf eigentliche Arien und schwierige Soli und ersetzte sie durch begleitete Rezitative, kurze (mehrstimmige) Soli und vor allem Chöre, griff auf alte Kompositionstechniken zurück (z.B. Nr. 13 „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ im altrömischen Kirchenstil) und gab dem Gesangsapparat mit einem virtuosen und weitreichenden Instrumentalpart ein bedeutendes Gegengewicht. So wurde dem Werk eine „gattungsgeschichtlich eigentümliche, wenn nicht bis dahin einzigartige Anlage“ (Wolfram Steinbeck – „Eine edlere Apokalypse. Zu Spohrs Oratorium ‚Die letzten Dinge‘“) bescheinigt. Texte, mit großer theologischer Sorgfalt vorwiegend aus der Offenbarung des Johannes ausgewählt, ergänzt durch Prophetenworte von Hesekiel und Jeremias, vertonte Spohr so radikal vom damaligen Zeitgeschmack gelöst, dass ein Publikumserfolg kaum garantiert war, denn den theologisch überzeugenden Bogen unterlegte Spohr mit viel motivischen und thematischen Bezügen im Instrumentalbereich – vor allem in den beiden Sinfonien – und ordnete seine künstlerischen Fähigkeiten als Tonsetzer der biblischen Vorlage unter. Doch gerade diese Balance aus eingängigen Gesangspassagen und virtuosem Instrumentalspiel gibt dem Werk einen unverkennbaren Reiz in einer Zeit, in der die Instrumentalmusik die Krone allen Komponierens darstellte. Der Verzicht auf alles übersteigert Affektierte macht das Werk ehrlich. Auf einige Besonderheiten einiger Sätze sei noch hingewiesen: Wurde die Verwendung alter Musikstile oben bereits bemerkt, so stechen einige Sätze besonders ins Auge. Die ausgedehnte Sinfonia Nr. 10 als Einleitung zum Zweiten Teil greift alle thematischen Motive der nachfolgenden Sätze auf. Besonders deutlich wird das Gegenüberspiel von Chor und Orchester in Nr. 15 „Gefallen ist Babylon“: So versagt die menschliche Stimme nach der letzten Wiederholung „sie zagen, sie beben“ und muss geschlagen dem Orchester als „sprechendem Partner“ das Feld in einem ausführlichen Orchesternachspiel überlassen. Die Uraufführung der Letzten Dinge erfolgte am Karfreitag 1826 in der Kasseler Lutherischen Kirche mit über 200 Mitwirkenden, wurde ein mehr als großer Erfolg und musste außerplanmäßig wenige Tage später erneut gegeben werden. Das lag vor allem an der Qualität der Komposition und der Aufführenden. Spohr hatte selbst die mitwirkenden Laienchöre der Cäcilienvereinigung und der Singakademie einstudiert und hatte mit der Kasseler Hofkapelle ein Orchester von europäischem Spitzenrang zur Verfügung, was auch nötig war, denn Spohrs Vorliebe für Chromatik und entlegene Tonarten machten professionelle Instrumentalisten notwendig. Dazu kommt, dass das Werk diesen Mitwirkenden auf den Leib geschneidert war, so schreibt Spohr 1856 über das Werk selbst: „Das Werk eignet sich sehr zu einer Aufführung von einer Dilettanten-Gesellschaft, eben Chöre und Soli sind nicht schwer und dankbar zu singen. Die Orchesterpartie ist jedoch nicht so leicht, besonders müssen die beiden Ouvertüren und das große Bass-Rezitativ des 2. Teils sorgfältig eingeübt werden.“ Das Werk genoss auch in der Fachwelt hohes Ansehen und die Presse bescheinigte dem Werk „Ideenreichtum, Tiefe, Ausdruck und kunstvolle Instrumentalbegleitung“. So wurde es bis 1840 allein zwanzig Mal aufgeführt europaweit und wurde in England sogar in die Repertoireliste bedeutender Kompositionen aufgenommen.

Zur vorliegenden Fassung

Die vorliegende Fassung orientiert sich an der Urtextfassung des Carus Verlages (23.003) aus dem Jahr 2008, welche wiederum auf handschriftlichen Quellen basiert. In diesen wurden einzelne Abschnitte nicht durch Schlussstriche markiert, sondern lediglich durch die Angabe Takt- und Tempowechsel gekennzeichnet. Damit soll deutlich gemacht werden, dass bei der Aufführung fließenden Übergängen der Vorrang vor Zäsuren zu geben ist. Dies haben die Herausgeber übernommen und so wurde es auch in dieser Fassung gehandhabt. Die in der vorliegenden Partitur ergänzten Nummerierung ist lediglich als Orientierungshilfe gedacht. Spohr schrieb dieses Oratorium für die standardisierte Orchestrierung des frühen 19. Jahrhunderts mit doppelter Holzbläserbesetzung (2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotti), Blechbläsern (2 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen), Pauken und Streichwerk, sowie Gesangssolisten SATB und gemischten Chor. Aus Gründen der Realisierung wurde die Orchesterbesetzung dieser Fassung pragmatisch auf ein Kammerorchester nach barockem Vorbild gekürzt mit 2 Oboen/Englischhörnern, 2 Trompeten/Flügelhörnern, Pauke und Streicher, der Gesangspart wurde im Original belassen. Dabei folgt die Besetzung pragmatisch dem, was das Kammermusikensemble Laubenheim zur Zeit der Entstehung 2017 an Instrumentalisten stemmen kann. Es wurde versucht die Charakteristika der Komposition beizubehalten und die Stimmungen einzufangen auch in reduzierter Instrumentierung.