barock modern!

barock modern!

Orgelkonzerte im Frühjahr 2018

 

28.04.2018, 19:15 Uhr – kath. Kirche St. Franziskus Mainz-Lerchenberg (Rubensallee 5, 55127 Mainz)

29.04.2018, 17:00 Uhr – kath. Kirche Mariae-Heimsuchung Mainz-Laubenheim (Pfarrer-Goedecker-Straße 29, 55130 Mainz)

Zum Programm

Ein Jahrhunderte übergreifendes Programm eröffnete die Konzertsaison 2018 des Kammermusikensembles Laubenheim. Mit Konzerten am letzten Aprilwochenende auf dem Mainzer Lerchenberg und in Mainz-Laubenheim lockte das KAMEL mit einem Ausflug in die Musik des 20. Jahrhunderts. Dabei standen Kompositionen im Mittelpunkt, die sich intensiv mit dem Barock auseinandersetzen. Und welches Soloinstrument passt besser zur Rückbesinnung auf die Barockzeit als die Orgel? Tobias Keil -selbst KAMELer – ließ passend dazu die 2017 eingeweihten neuen Orgeln auf dem Lerchenberg und in Laubenheim erklingen. Auf dem Programm standen neben dem weltberühmten Adagio in g-moll von Tomaso Albinoni, welches wohl aber 1958 vom italienischen Musikwissenschaftler Remo Giazzotto (1910-1998) zu Papier gebracht wurde, das Concerto für Orgel, Pauke und Streicher g-moll von Francis Poulenc (1899-1963), eine Hommage an J.S. Bach und die Bachiana brasileira Nr. 9 des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos (1887-1959). Tauchen Sie ein in moderne Klänge, verschmolzen mit barocker Kontrapunktik und Melodik bis hin zu südamerikanischer Folklore.


 

Zum Solisten

Tobias Keil (Orgel) erhielt ersten Musikunterricht ab dem 5. Lebensweg am Klavier bei Hedwig Keil. Mit dem 9. Lebensjahr kam Violinunterricht bei Anne Seitz dazu. Es folgten kammermusikalscihe Engagements in der Jugendband der kath. Pfarrei Mainz-Laubenheim und im Kammermusikensemble Laubenheim, dessen Gründungsmitglied er war. 2010 erhielt er erstmals Orgelunterricht bei Rolf Mayer und trat 2011 seine Tätigkeit als Organist der Pfarrgemeinde Mariae-Heimsuchung an. Parallel dazu begann eine Ausbildung zum Kirchenmusiker im Institut für Kirchenmusik in Mainz, an welchem er Orgelunterricht bei Krystian Skoczowski erhielt. Die Ausbildung schloss er 2015 mit dem C-Schein ab. Anfang 2016 übernahm Tobias Keil die Leitung des kath. Kirchenchores “Cäcilia 1936” Laubenheim. Seit 2015 studiert er Rechtswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.


Solisteninterview

Das Concerto für Orgel, Pauke und Streicher g-moll von Francis Poulenc hast du als Solowerk vorgeschlagen. Wie kamst du auf dieses Werk und was bedeutet es für dich, es nun als Solist spielen zu können?

Für Orgel und reine Streicher gibt es nur wenig Literatur. Umso größer war mein Erstaunen, als ich im Jahresprogramm der Alten Oper in Frankfurt von dem Konzert gelesen habe. Als ich es mir dann zum ersten Mal angehört habe, war ich direkt vom ersten Akkord der Orgel an beeindruckt. Da die Besetzung, außer der Pauke, auf unser Ensemble passt, habe ich es auch gleich als Solowerk vorgeschlagen. Für mich als Solist ist es neben dem Spaß an der Musik vor allem eine Möglichkeit, die Orgel mit ihren unglaublich vielen Klangfarben, die besonders in diesem Concerto vorgestellt werden, dem Auditorium näher zu bringen und so die Orgel als ‚altbackenes‘ Instrument neu zu beleben. Zuletzt ist es natürlich auch eine wunderbare Möglichkeit, die brillante Arbeit des Orgelbauers Hubert Fasen, der beide Orgeln erst kürzlich gebaut hat, vorzustellen.

Die Orgel als Soloinstrument, das ist man als Organist ja durchaus gewohnt. Was ist für dich die Schwierigkeit, aber auch der Reiz und das Besondere an der Kombination von Solo-Orgel und Streichorchester?

Als Organist ist man gezwungen, sein Spiel den besonderen Anforderungen und teilweise auch Herausforderungen der kirchlichen Akustik anzupassen. Beim Spielen muss beachtet werden, dass jede Kirche anders klingt. Schon das Spielen alleine ist deshalb oft nicht ganz einfach. Bei Poulencs Orgelkonzert kommen nicht nur Streicher, sondern gleich auch noch Pauken dazu. Die besondere Schwierigkeit liegt hier in einer differenzierten Abstimmung zwischen diesen Klanggruppen, was oftmals an musikalisch dicht verflochtenen Stellen gar nicht leicht ist. Das macht aber gleichzeitig den Reiz des Spielens und auch der Probenarbeit aus. Man muss sich auf Akustikerfahrungen, fremde Einschätzungen sowie Aufnahmen der eigenen Probenarbeit verlassen, da der Zuhörer das Konzert ja ganz anders wahrnimmt, als die Musiker auf der Empore, und diese Erkenntnisse mit den anderen Musikern teilen, um so das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Im Programm „barock modern!“ stehen drei sehr unterschiedliche Werke auf dem Programm. Auch du bist nicht nur als Solist eingebunden: Beim Adagio in g-moll von Remo Giazotto ist die Orgel ja nicht zwingend das Soloinstrument und bei der Bachiana brasileira No. 9 von Heitor Villa-Lobos bist du als 2. Geiger aktiv. Ist es für dich eine besondere Erfahrung in drei verschiedenen Werken drei so verschiedene Rollen einzunehmen?

In den Konzerten des KAMELs befinde ich mich, abgesehen von der durchrotierenden Besetzung, meistens nur in einer Rolle. Zwar bin ich es als Organist, Kantor, Chorleiter und Jugendbandmitglied gewohnt, in der Kirche hin und her zu rennen, allerdings ist das in einem Konzert nochmal etwas ganz anderes. Es gibt keine großen Pausen, sich auf das nächste Stück gedanklich vorzubereiten. Man muss also von Anfang an zu 100 % seine Rolle erfüllen. Wegen der unterschiedlichen Stücke und zuletzt auch Instrumente – immerhin spiele ich zum ersten und letzten Mal Geige beim letzten Stück des Konzerts – ist das eine besondere Erfahrung, aber auch Herausforderung, die es zu meistern gilt.

Du bist früh mit der Musik in Kontakt gekommen, hast schon als kleines Kind Klavier gelernt, später Violine. Jetzt studierst du Jura, bist Organist in der katholischen Pfarrgemeinde und leitest den Kirchenchor in Laubenheim. Welche Rolle spielt die Musik für dich und auch innerhalb deiner Familie und was ist mehr Beruf, mehr Leidenschaft? Musik oder Jura?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Die längere Bindung habe ich natürlich zur Musik, welche schon ab meinem fünften Lebensjahr in meiner Familie stark gefördert wurde. Die Rechtswissenschaft ist erst im Lauf der Oberstufe in mein Leben gekommen. Beide Bereiche sind teilweise ähnlich, teilweise aber auch sehr unterschiedlich. So braucht man zum Beispiel für Jura genauso wie für Musik die Fähigkeit, logisch denken zu können. Allerdings ist die Musik viel mehr gespickt mit Emotion, welche man in der Jurisprudenz vergeblich sucht. Als Jurist komme ich nicht drum herum, den aufgeworfenen Begriff ‚Leidenschaft‘ auszulegen. In mehreren Sprachen wird dieser Begriff mit ‘Passion‘ wiedergegeben und teilt sich die etymologischen Wurzeln mit dem Wort ‚passiv‘. Wer leidenschaftlich ist, wird also von etwas ergriffen, das er selbst nicht kontrollieren kann. Die Freude an der Musik wie auch am Recht geben mir diese positive Triebkraft in gleichem Maße. Beruflich habe ich mich allerdings für die Rechtswissenschaft entschieden, zuletzt nicht auch um der Musik immer ungezwungen gegenüber stehen zu können.

Du hast mit 14 Jahren das Orgellernen begonnen und auch recht schnell deine Organistenstelle angetreten. Wie kamst du ausgerechnet auf die Orgel?

Das hat sich eher zufällig ergeben. Mein Vorgänger als Organist, Paul Zöller, kam nach jahrzehntelanger Organistentätigkeit altersbedingt nicht mehr die schmale und steile Treppe zur Empore hoch. Deshalb suchte die Gemeinde jemanden, möglichst aus den eigenen Reihen, der Vorkenntnisse im Klavierspiel hat und Lust dazu hätte, das Orgelspiel zu erlernen. Nach einem zweiwöchigen Entscheidungsprozess, in dem ich insbesondere abwägen musste, ob ich für diese neue Herausforderung alle zukünftigen freien Samstagabende und Sonntagmorgen opfern wollte, habe ich mich dann dazu entschieden und zehn Monate später den ersten Gottesdienst begleitet. Im Nachhinein würde ich nichts anders machen.

2006 hast du zusammen mit Álvaro Camelo und drei anderen Jungs – darunter Manuel und Dennis – das Kammermusikensemble Laubenheim gegründet. Was bedeutet dir dieses Ensemble nach jetzt schon 12 aktiven Jahren? Und was bedeutet es dir, mit dem KAMEL solistisch aufzutreten?

Das KAMEL hat eine jahrelange Entwicklung durchgemacht. Zunächst waren wir vier Kinder, die die ersten Erfahrungen im Musizieren mit anderen gemacht haben. Mit zunehmendem Alter wurden auch unsere Fähigkeiten besser und so konnten wir immer schwierigere Literatur spielen und sind so auch attraktiver für andere Musiker geworden und gewachsen. In diesem Prozess gewöhnt man sich natürlich an die anderen und Freundschaften entstehen. Seit Dezember habe ich sogar das Glück mit einem waschechten KAMELer zusammen zu wohnen. Das KAMEL ist wie eine Familie für mich geworden. Solistisch aufzutreten ist dabei das


i-Tüpfelchen einer jahrelangen Entwicklung. Wir kennen uns untereinander privat wie musikalisch gut und sind ein eingespieltes Team. Deshalb bedeutet es für mich, als Solist auftreten zu dürfen, nicht nur Anerkennung, sondern auch Freundschaft.

Wir wissen, dass du es nicht gerne hörst, aber häufig wird mit deinem Namen der Beisatz „echter Laubenumer Bub“ genannt. Du stammst aus einer ur-Laubenheimer Familie, bist tief verankert mit Mainz und besonders Laubenheim und darüber hinaus bist du auch aktiv in der Fastnacht für die Schwarzen Gesellen Laubenheim tätig. Wie ist es für dich, in diesem Umfeld auf die musikalische Bühne zu gehen?

Wie auch beim Sport ist das konzertieren in Mainz und insbesondere in Laubenheim ein Heimspiel. Ich kenne nicht nur die Orgeln und Kirchen als Konzerträume sehr gut, sondern auch eine Vielzahl der Konzertgänger. Wenn man zum Publikum eine persönliche Bindung hat, macht das musizieren gleich noch viel mehr Spaß.

Wenn du das Projekt „barock modern!“ und das Kammermusikensemble Laubenheim mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Einheitlich aber verschieden